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Christoph Metzelder Stiftung

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8. Februar 2015

Christoph Metzelder im Interview mit den Westfälischen Nachrichten

Presse: Seit Kindesbeinen sozial engagiert

Christoph Metzelder ist 34 Jahre alt. Seine Stiftung, die Christoph-Metzelder-Stiftung, unterstützt verschiedenste Projekte zur Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Er ist ehemaliger Fußballprofi und spielte unter anderem bei Borussia Dortmund, Schalke und Real Madrid sowie in der deutschen Nationalmannschaft. Nun trainiert er die U19 des TuS Haltern. Elena Eßer hat den ehemaligen Fußballer zum Interview getroffen.
Was hat Sie dazu bewegt diese Stiftung zu gründen?

Christoph Metzelder: Ich sage immer, ich komme aus dem katholischen Münsterland. Ich bin in Haltern am See geboren und in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, war Messdiener und habe die Kirchenzeitung ausgetragen. Letztendlich wächst man in einem Umfeld auf, wo soziales Engagement einfach dazugehört. Meine Mutter engagiert sich noch heute in der Gemeinde. Das ist im Kern das, was ich auch mache: gesellschaftliches Engagement. Dadurch, dass ich Fußballprofi wurde hatte ich einfach die Möglichkeit mit Hilfe einer eigenen Stiftung mehr zu machen.

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Stiftung?

Metzelder: Da ich im Vorstand der Stiftung bin, beschäftige ich mich jeden Tag mit verschiedensten Aufgaben, Fundraising, der Organisation von Events oder Pressearbeit. Darüber hinaus besuche ich regelmäßig unsere Projekte. Mittlerweile sind es 16 Einrichtungen in ganz Deutschland, die wir unterstützen.

Macht Ihnen die Arbeit Spaß? Was dabei besonders?

Metzelder: Ich bin der Meinung, dass jeder, der sich sozial engagiert auch unheimlich viel zurückbekommt. Wenn man anderen Menschen hilft und sie glücklich macht, ist das für einen selbst auch eine unheimliche Befriedigung. Bei Kindern ganz besonders, da sie grundehrlich und fröhlich sind.

In welcher Form fördern Sie die Einrichtungen und gibt es auch eigene Projekte?

Metzelder: Auch nach acht Jahren sind wir eine verhältnismäßig kleine Stiftung, deshalb schließen wir oft Finanzierungslücken bei den Einrichtungen. Das sind so zwischen 2000 Euro und 10 000 Euro im Jahr. Ein Projekt, das wir gemeinsam mit dem Unternehmen Alpresan aus Greven entwickelt haben, ist ein Feriencamp. Dort finden morgens Lerneinheiten statt, um die Defizite in den Hauptfächern aufzuarbeiten. Den Rest des Tages haben die Kinder Freizeit. Das machen wir in den Oster- und Herbstferien mit jeweils 20 bis 25 Kindern aus unseren Projekten.

Wie werden die Projekte ausgewählt, die durch Ihre Stiftung unterstützt werden?

Metzelder: Wir fördern nicht auf Antrag, also suchen wir uns die Projekte selbst aus.

Was war das emotionalste, was Sie während Ihrer Stiftungsarbeit erlebt haben?

Metzelder: Da gab es zwei Ereignisse. Das erste war, als ich noch bei Schalke gespielt habe. Wir haben Kinder aus einem Projekt in der Nähe von Gelsenkirchen eingeladen, das Stadion zu besichtigen. Einer der Jungen kam zu mir, umarmte mich und sagte: „Metze, vielen Dank für den schönen Urlaub.“ Einen Tag, vier Kilometer von Zuhause entfernt. Das war für den Jungen wie Urlaub. Das zweite war ein Besuch von minderjährigen Flüchtlingen aus dem Projekt „Life“ in München. Ich war mit den Jugendlichen essen, sie sollten sich was aussuchen, aber waren alle ganz still. Sie waren einfach völlig überfordert. Was haben wir hier in Deutschland für geringe Probleme, verglichen mit denen auf der Welt.

Was war als Kind Ihr Traumberuf?

Metzelder: Als Kind wollte ich eine Zeit lang Arzt werden, Sportarzt. Je älter ich wurde ging das eher in die Richtung unternehmerische Tätigkeiten. Vielleicht wäre es eine Ausbildung bei der Bank geworden.

Was für eine Rolle spielt Familie für Sie?

Metzelder: Ich komme selbst aus einer großen Familie, habe drei Brüder. Ich glaube, dass Familie sehr wichtig ist, weil sie einen prägt. Das, was in der Kindheit nicht vermittelt wird, kann man hinterher nur schwer nachholen.

Glauben Sie, dass Sie Ihrer Tochter ein Vorbild sind?

Metzelder: Das weiß ich nicht, aber ich hoffe es. Aber als junger Mensch muss man irgendwann auch Entscheidungen selbst treffen, da geben Eltern vielleicht noch die „Leitplanken“ vor.

Haben Sie viel Zeit für Ihre Familie?

Metzelder: Ich arbeite viel und bin viel unterwegs. Das füllt mich aus und ich empfinde das nicht als Belastung. Dabei hoffe ich natürlich, dass die Familie nicht zu kurz kommt.

Jetzt eher mal was zum Fußball: Ist der Druck für Sie gestiegen als Sie zu Vereinen wie zum Beispiel Real Madrid oder dem BVB gewechselt sind?

Metzelder: Ja, weil das Vereine sind, die noch mehr Wahrnehmung in der Öffentlichkeit haben als zum Beispiel Preußen Münster. Da habe ich vor 10 000 Zuschauern gespielt und dann gehst du zu Real Madrid, spielst für die Nationalmannschaft, und plötzlich ist da ein nationales, teilweise internationales Interesse und du stehst noch mehr unter Druck. Wenn du gut bist, wirst du mehr gefeiert, doch wenn du Fehler machst wird das öffentlich diskutiert.

Wie war der Teamzusammenhalt in den Mannschaften, in denen Sie gespielt haben? Wo war er am besten?

Metzelder: In diesen 13 Jahren, in denen ich gespielt habe, hat sich der Fußball ziemlich verändert. Die Aufmerksamkeit und Berichterstattung ist noch mal größer geworden, Wenn ich jetzt zurückdenke, dann war die schönste Zeit in den Anfangsjahren bei Dortmund, als wir deutscher Meister wurden. Ich war so ziemlich der Jüngste, und das war eine tolle Zeit.

Zu welchem Ihrer ehemaligen Mannschaftsmitglieder haben Sie heute noch freundschaftlichen Kontakt?

Ein paar Freundschaften bleiben bestehen, zum Beispiel zu Sebastian Kehl, Jens Lehmann, Benedikt Höwedes oder Peer Kluge. Das Schöne beim Fußball ist, dass obwohl man Mitspieler lange nicht sieht, es bei einem Wiedersehen trotzdem wieder wie früher ist.

Was halten Sie von der aktuellen Nationalmannschaft? Ist sie zu kommerziell?

Metzelder: Also erst einmal ist das eine unglaublich talentierte Mannschaft, fantastische Einzelspieler, die es zu meiner Zeit noch nicht gab. Wir hatten einfach nicht die Ausbildung wie die Jungs. Verloren gegangen ist zum Beispiel die Hierarchie in der Mannschaft. Ältere Spieler haben dafür gesorgt, dass du als jüngerer Spieler erstmal deine Arbeit machst und dich unterordnest. Heute hat man viele junge, eigenständige Spieler, die gleichwertig sind. So gut sie fußballerisch sind, so schwer wird es eine Hierarchie entstehen zu lassen.

Sie sind ja ebenfalls Trainer bei Haltern. Was macht für Sie einen guten Trainer aus? Welche Qualitäten muss er mitbringen?

Metzelder: Ich habe letztens ein Interview mit René Weiler gelesen, dem neuen Trainer vom 1. FC Nürnberg. Dort gab es einen sehr passenden Satz: „Mit dem Spieler fordernd, mit dem Menschen herzlich.“ Also von den Spielern sehr viel zu verlangen und sie zu motivieren. Aber gleichzeitig auch den Menschen nie zu vergessen. Spätestens, wenn Training oder Spiel vorbei sind.

Denken Sie von sich selbst, dass Sie ein strenger Trainer sind?

Metzelder: Ich glaube, dass es wichtig ist, eine funktionierende Mannschaft zu haben, in der sich alle unterordnen. Jeder Spieler hat eigene Interessen, was auch ganz normal ist, im Amateurbereich noch mal ganz unterschiedlich. Es gibt ja viele Dinge, die für die Jungs wichtig sind, Schule, Ausbildung oder die Freundin. Mir ist nur wichtig, dass sie in den zwei Stunden Training voll konzentriert sind.

Haben Sie mal darüber nachgedacht, eine Bundesliga- oder sogar die Nationalmannschaft zu trainieren?

Metzelder: Für den Profifußball braucht man Trainerlizenzen, da haben sich die Regularien auch ein bisschen verändert. Man muss mittlerweile als ehemaliger Profi mit der B-Lizenz anfangen, bevor man über die A-Lizenz den Fußballlehrer machen kann. Dieser Weg ist momentan ein wenig weit für mich, sodass ich mich lieber auf den Amateurfußball konzentriere.

(Quelle: Westfälische Nachrichten/Elena Eßer – http://www.wn.de/WN-Aktion/Klasse/Aktuell/1870993-Christoph-Metzelder-im-Interview-Seit-Kindesbeinen-sozial-engagiert)