Als er 16 Jahre alt war, flüchtete Boubacar Sall aus dem westafrikanischen Guinea nach Deutschland. Aus politischen Gründen floh er aus dem Land, in dem er mit seinen Eltern und fünf Geschwistern in der Hauptstadt Conakry lebte und kam im Sommer 2015 in München an. Seitdem nimmt er sein Leben selbst in die Hand und kämpft für seinen Traum: seine Ausbildung zum Bankkaufmann abzuschließen. Für dieses Ziel arbeitet Boubacar hart.

Im Juli 2017 erlangte Boubacar Sall den Hauptschulabschluss mit Note 1,6. Zwei Monate später Ausbildungsbeginn in der Postbank in Augsburg. Und Einzug im Münchener Salesianum. Hier hat er nicht nur ein neues Zuhause gefunden, sondern erhält Unterstützung im Rahmen des Projekts „Integration konkret“.  Das neue Angebot bietet den Teilnehmern ein Jahr lang sozusagen ein Hochseilklettertraining mit Sicherheitsnetz. Vier junge Männer zwischen 19 und 21 Jahren leben in einer einfach möblierten Wohnung in einem etwas abgelegenenTeil des Salesianums. Die jungen Männer, die aus unterschiedlichen Ländern Afrikas stammen, stehen alle in der Ausbildung. Neben Boubacar Sall, dem künftigen Bankkaufmann, gibt es einen angehenden Elektroniker, einen Fachlageristen und einen Einzelhandelskaufmann. Sie haben eigene Haus- und Wohnungsschlüssel, zahlen in einer Art Miete ihren Anteil an den Wohnheimkosten und kümmern sich um den Haushalt. Die vielfältigen Freizeit- und Bildungsangebote des Salesianums stehen ihnen offen. Bei Bedarf stehen die Pädagogen des Sales immer mit Rat und Tat zur Verfügung. 

Boubacar Sall ist im zweiten Ausbildungsjahr. Montags geht er in die Berufsschule. Von Dienstag bis Freitag steht er in der Filiale seiner Bank am Augsburger Hauptbahnhof am Schalter. Wenn er Frühschicht hat, bedeutet das Aufstehen um 4.30 Uhr und Rückkehr gegen 18 Uhr. Samstags jobbt er in einem großen Supermarkt an der Kasse. In seiner Freizeit stehen neben dem Lernen für die Schule Einkaufen, Kochen und Putzen auf dem Programm. Und, wenn Zeit bleibt, Kicken mit Freunden.

Boubacar Sall wirkt gelassen, klar und selbstbewusst und für sein Alter ungewöhnlich zielstrebig und strukturiert. Man hat das Gefühl: Hier hat einer sein Leben in die Hand genommen. „Ich will hier später gut in Deutschland integriert sein.“ Seinen Beitrag dazu leistet er.